Die Stadt Celle will die MTV-Halle, Nordwall 10, Anfang des Jahres 2020 abreißen und das Grundstück verkaufen.

Die Kosten für eine Renovierung der Halle möchte die Stadt nicht tragen und will sich auch von den laufenden Unterhaltungskosten entlasten.

Das Gebäude aus dem Jahr 1913 darf nicht abgerissen werden.

Celle verlöre ein unvergleichliches Gebäude, der Abriss wäre für die Stadt ein hoher kultureller Verlust.

  • Das von weither sichtbare Vordergebäude der Halle hat mit den rhythmisch gegliederten Fenstergruppen der Straßenfassade und dem reichgestalteten Portal sowie dem vorkragenden Giebeldreieck stadtbildprägende Wirkung.
  • Die an der Rückseite angrenzende Turnhalle ist gekennzeichnet durch die elegante Form des Tragwerks aus Holzleimbindern, die mit der gebogenen Decke eine Atmosphäre von Geborgenheit und Leichtigkeit schaffen. Die sog. Hetzer-Bögen, benannt nach dem Erfinder dieser Konstruktion, sind ein heute seltenes Beispiel aus der Anfangszeit dieser seinerzeit neuen Bautechnik.
  • Historisch ist es bedeutsam, dass dieses Gebäude das Ergebnis einer einmaligen Zusammenarbeit von Verein, Stadt und Bürgerschaft ist. Der Männer-Turnverein von 1847, einer der ältesten deutschen Sportvereine, hat am Beginn des 20. Jahrhunderts 10 Jahre lang Geld für eine eigene Turnhalle gesammelt, die er dann unter Mithilfe vieler Bürger und der Stadt bauen konnte. Aus der Grundhaltung der selbstbewussten, national und liberal gesinnten Turnerschaft heraus wurde ein imposantes Gebäude mit großem Versammlungsraum im Vordergebäude geschaffen.
  • Schon mit der Errichtung war die Turnhalle ein Ort der Frauenemanzipation. Der Verein hatte bereits seit 1900 eine Frauenabteilung.
  • Über mehr als ein Jahrhundert haben Generation um Generation in dieser Turnhalle geturnt und Sport getrieben. Nach dem II. Weltkrieg konnten Flüchtlinge hier heimisch werden. Und in den letzten Jahrzehnten war hier ein Ort der Integration: Migrantinnen und Migranten aus Kurdistan, Syrien und anderen Regionen konnten in der Turnhalle einem Sport nachgehen.

Wenn die Halle jetzt abgerissen würde, wäre das mit dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz nicht zu vereinbaren. Die MTV-Halle ist ein Baudenkmal, an dessen Erhaltung wegen seiner geschichtlichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Bedeutung ein großes öffentliches Interesse besteht. Baudenkmale dürfen nicht abgerissen werden.

Manche meinen, die MTV-Halle müsse allein deswegen beseitigt werden, damit die Straße Nordwall für den gegenläufigen Verkehr ausgebaut werden kann. Das ist nicht der Fall, denn der Rat hat hierzu im September 2018 einen Bebauungsplan beschlossen, der den Ausbau für gegenläufigen Verkehr ermöglicht, auch wenn die Halle erhalten bleibt.

Denkmalschutz

Würde die MTV-Halle abgerissen, wäre das nicht nur ein kultureller Verlust. Der Abriss verstieße auch gegen ein gesetzliches Verbot, weil die Halle unter Denkmalschutz steht, sowohl das Vordergebäude als auch die Turnhalle, denn beides steht unter Denkmalschutz.

Bislang ist das Gebäude zwar noch nicht in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen, aber die Denkmaleigenschaft ergibt sich unmittelbar aus dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz. Nach § 3 Absatz 2 ist ein Gebäude dann ein Denkmal, wenn wegen seiner geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Bedeutung ein öffentliches Interesse an seiner Erhaltung besteht. Die Eintragung in das Verzeichnis dient nur der Klarstellung, die Denkmaleigenschaft hängt nicht von der Eintragung ab. Das Landesamt für Denkmalschutz muss jedes Baudenkmal in das Verzeichnis eintragen, um die Denkmaleigenschaft zu dokumentieren.

Das Landesamt hat in der bisherigen Diskussion die geschichtliche Bedeutung des Gebäudes und die künstlerische Bedeutung des Vordergebäudes überhaupt nicht in Zweifel gezogen. Zur künstlerisch-architektonischen Bedeutung der Turnhalle hat das Landesamt nur Nebenpunkte angesprochen. Auch auf die wissenschaftlich-technische Bedeutung der Zweigelenk-Bögen in Holzleimbinderkonstruktion ist das Landesamt praktisch nicht eingegangen.

Es gibt nur zwei nachdrücklich verfolgte Einwände, die aber an der Denkmaleigenschaft nichts ändern können.

  • Das Landesamt meint, eine Reihe baulicher Änderungen an der Turnhalle lasse es nicht zu, hier von einem Denkmal zu sprechen. Diese Änderungen haben jedoch nur so geringes Gewicht, dass sie nicht gegen die Denkmaleigenschaft sprechen können. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg urteilt in ständiger Rechtsprechung, dass insoweit nur Änderungen zu berücksichtigen sind, die den Kernbestand des Denkmals angreifen. Das ist hier nicht der Fall. Ebenso verhält es sich mit dem Austausch der Fenster des Vordergebäudes. Wenn die Bilder des Gebäudes vom ursprünglichen und vom jetzigen Zustand nebeneinander gehalten werden, ist der Eindruck praktisch der gleiche.
  • Das Landesamt verweist vor allem darauf, dass es in den vergangenen Jahren der Stadt Celle wiederholt versichert habe, die MTV-Halle sei kein Baudenkmal. Insoweit genieße die Stadt Vertrauensschutz. Heute hätte das Gebäude deshalb allenfalls im Einvernehmen mit Stadt in das Denkmalverzeichnis eingetragen werden können; die Stadt habe dies aber abgelehnt.
    Diese Auffassung ist mit dem Denkmalschutzgesetz nicht vereinbar. Das vorhandene oder fehlende Einverständnis des Eigentümers hat keinerlei Einfluss auf die Denkmaleigenschaft.
    Und der Grundsatz des Vertrauensschutzes kann lediglich bewirken, dass ein finanzieller Schaden auszugleichen ist. Eine unzutreffende Äußerung einer Behörde kann dagegen nicht bedeuten, dass ein Baudenkmal zerstört werden dürfte.

Die MTV-Halle mit ihrer geschichtlichen Bedeutung, ihrem hervorragenden architektonischen Wert und ihrer wissenschaftlich-technischen Wichtigkeit ist nach der gesetzlichen Definition ein Baudenkmal und darf keinesfalls abgerissen werden. Die Bemühungen, das Landesamt zur Eintragung zu veranlassen, laufen weiter.

Äußerungen zum geplanten Abriss der MTV-Halle

Dieses besondere, historische Gebäude darf auf keinen Fall abgerissen werden! Gut in Erinnerung habe ich noch, dass ich in der Mädchengruppe während meiner Schulzeit auf Sägespänen geturnt habe. Welche Sportlerin in Celle kennt die MTV-Halle nicht! Sie war und ist auch noch heute Treffpunkt, Ort für Eigeninitiative und Motivation. Nun soll sie abgerissen werden?? Marianne Stumpf

Das Gebäude aus dem Jahr 1913 darf nicht abgerissen werden. Celle verlöre ein unvergleichliches Bauwerk, der Abriss wäre für die Stadt ein hoher kultureller Verlust. Dietrich Klatt

Dieses Kleinod - ich durfte viele Jahre als Schülerin dort in der Sägespäne turnen - muss dringend erhalten bleiben. Ein einmaliges Demokratiesymbol, das nur gebaut werden konnte, weil Celler Bürger 10 Jahre lang Spenden zusammengetragen haben. Ab 1900 bestand eine Turnabteilung für Frauen - und das schon v o r dem Frauenwahlrecht. Die MTV-Halle darf nicht dem Abrissbagger preisgegeben werden. Celle hat in der Vergangenheit bereits einige historisch wertvolle Gebäude durch Abriss verloren, wie das HBG und das "Trüller-Eck" / Verkaufs- und Lagerhaus. Einzigartige, unwiederbringliche "Schätze" für Celle! Gudrun Jahnke

Seit den 50er Jahren habe ich zunächst als aktiver junger Leichtathlet, später über 40 Jahre als Trainer unzählige unvergessliche Stunden in dieser einmaligen Halle verbracht. Tausende Celler Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben hier den Weg zum Sport und zu gemeinsamen Aktivitäten gefunden. Warum soll dieses für Celle so einmalige Anwesen ohne Not verschwinden, nachdem die Stadt ihre Straßenplanung ohne einen Abriss bereits gelöst hat?? Das wäre eine absolut überflüssige, ja widersinnige Entscheidung! Hans-Jürgen Biber Lenze

Etwa in den 1940er Jahren habe ich nach meinem Großvater Adolf Berndt und meinem Vater Theodor Berndt schon als Kleinkind fast täglich in der MTV-Halle gespielt oder geturnt. Ich konnte kaum ohne Hilfe die Eingangstür öffnen. Später gab es die neue Fechtabteilung, in der ich viele Jahre erfolgreich aktiv war. Es ist mir und sicher vielen anderen Celler Bürgern unvorstellbar, dass dieses Gebäude nun zerstört werden soll. Astrid Marquardt, geb. Berndt

Verwaltung und Politik argumentieren gegen die soziale Wirklichkeit und die bestehenden Bedürfnisse. Vielleicht würden einige Nutzer gern in eine moderne Halle gehen. Aber das ist ja nicht die Alternative. Die Alternative ist bei der aktuellen Finanzlage: eine Halle weniger, und dann auch noch die, die eine allseits gewünschte Innenstadtbelebung aktiv unterstützt. Oliver Müller

Unter großem finanziellen Einsatz von Verein, Stadt und Bürgerinnen und Bürgern wurde 1913 die MTV-Halle erbaut. Über mehr als ein Jahrhundert haben Generation um Generation in dieser Turnhalle geturnt und Sport getrieben. Sie ist mit ihrer zentralen Lage bis heute ein wichtiges Bauwerk für Celle. Heiner Stumpf

Weit über die Stadtgrenzen hat die historische Nordwall-Halle eine unschätzbare bauhistorische Bedeutung. Alleinig der Begriff „Vertrauensschutz“ soll laut Aussage des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege die Stadt Celle ermächtigen, die historische Halle abzureißen. Vertrauen heißt aber auch: Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten oder anvertrauen: Wir sollten das historische Zeugnis Celler Stadtgeschichte wertschätzen und das Andenken u.a. an Dr. Lauenstein, Carl Ellecke, Wilhelm Margraf, Carl Bade, Wolfgang Heßelbarth und Roland Elsner in Ehren halten: Erhalten wir die alte MTV-Halle - erhalten wir Celler Sportgeschichte, für unsere Zukunft! Ute Rodenwaldt-Blank

Lageplan

MTV-Halle am Nordwall 10 in Celle